«Es ist ein stetiger Kampf»
  Frankenschock, Internethandel, Shopping jenseits der Grenze: Geschäfte haben es heutzutage nicht einfach. Und doch betont Pro-Zug-Präsident André Odermatt die Vorteile Zugs – nicht zuletzt dank alter Tugenden.

«Es ist ein alter Brauch, wo repariert wird, kauft man auch.» Dieser eingängige Spruch hängt über dem Fenster des winzigen Ateliers im ersten Stock des Lederwarengeschäfts. Man muss schon genau hinschauen, um ihn zu entdecken – so viel anderes zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters in seinen Bann. Denn das, was hier über den Daumen gepeilt auf sechs Quadratmetern alles an Utensilien versammelt ist, wirkt fast wie ein museales Panoptikum. Fadenspulen in den verschiedensten Farben, zig Schubladen und Boxen, alte mechanische Nähmaschinen, Zangen und viel anderes Werkzeug aller Art. Feintäschnerin Elena Moos, die hier Taschen repariert, kann sich in der Enge kaum bewegen. Dabei tragen die handwerklichen Arbeiten der 19-jährigen Walchwilerin nicht unwesentlich zum Umsatz des Traditionsgeschäfts bei.

Zug trumpft auf gegenüber Zürich
«Etwa ein Drittel hat unser Reparaturservice Anteil am Geschäftsumsatz», erklärt André Odermatt, Inhaber der gleichnamigen Lederwaren AG, die dieses Jahr noch ihr 70-Jahr-Jubiläum begeht. In Zeiten moderner Kurzlebigkeit wirkt so ein Gedenktag für ein kleines Geschäft schon fast dinosauriermässig. Doch der 53-Jährige, der seit einem Jahr als Präsident der Zuger Detailhandelsvereinigung Pro Zug fungiert, betont: «Heute kann ein kleines Geschäft nicht mehr nur durch den Verkauf überleben.» Ein zusätzlicher Service wie solche Reparaturarbeiten seien unerlässlich fürs Geschäftswohl – wobei Odermatt gleich nebenan in der Industriestrasse noch über ein grösseres Atelier verfügt. Wenn beispielsweise jemand Probleme mit seinem Samsonite-Koffer hat – Odermatt kann weiterhelfen. Ein Vorzug, den seiner Meinung nach grossstädtische Einzelhandelslandschaften, in denen immer öfter die Monokultur der Filialisten Einzug hält, nicht mehr bieten können. Aus seiner Sicht offeriert die Zuger Bahnhofstrasse deshalb auch noch mehr Vielfalt als die Zürcher Bahnhofstrasse – «wo inzwischen sogar Franz Carl Weber die Miete nicht mehr bezahlen kann und raus muss, und wo Schlüsselübergabegelder von rund 1 Million Franken offenbar keine Seltenheit sind. Da gehts nur noch ums Geld.»

Aber auch hier hohe Ladenmieten
Da sieht die Welt im Zuger Detailhandel mit seiner kleinteiligen KMU-Struktur noch relativ heil aus. Wobei Odermatt nicht verhehlt, das die Ladenmiete auch in Zug so manches Geschäft vor grosse Probleme stellt: «Man muss damit halt leben.» Er selbst ist seit 35 Jahren mit seiner Lederwaren AG an der Gotthardstrasse 3 ansässig – auch schon etwas zentrumsperipher. Mieten im Metalli-Einkaufscenter wären für ihn nicht erschwinglich. Er profitiert deshalb vor allem von seiner langjährigen Stammkundschaft – für Laufkundschaft ist sein Laden schon fast versteckt. «Auch in Zug ist der Detailhandel aufgrund des Frankenschocks und der Konkurrenz des Internets täglich sicher ein stetiger Kampf», räumt Odermatt ein. Erst jüngst hätten der Kleiderladen Benetton und das Bilderrahmengeschäft Belmondo schliessen müssen. Aber letztendlich sorge die kleinstädtisch-überschaubare Struktur in Zug mit nach wie vor zahlreichen Fachgeschäften dafür, dass Zug zu einer der attraktiveren Einkaufsstädte in der Region zähle. «Denn C&A, H&M und Zara gibts auch anderswo», ist sich Odermatt sicher. Auch das Angebot an verfügbaren und dank des neuen Leitsystems auffindbaren Parkplätzen sei in Zug zufriedenstellend. «Zudem kommt ja am Postplatz noch ein weiteres Parkhaus hinzu.»

Weg vom «Satellitenstadt»-Image
Und doch ortet der Pro-Zug-Präsident noch Verbesserungspotenzial in der Stadt. Insbesondere – wenn es um den Charakter Zugs als «Satellitenstadt» geht. Für Odermatt haben sich in der Kantonshauptstadt über Jahre hinweg nämlich Business- und Behördenpraktiken eingeschliffen, die viel damit zu tun haben, dass nach Zug eben, montags bis freitags, morgens täglich Tausende von Pendlern kommen – die abends dann alle wieder gehen. Will heissen: Unter der Woche pulsierts, am Wochenende schläft die Stadt an vielen Ecken – viele Cafés und Restaurants haben zu. Die Stadt ticke eben noch immer im Takt der Geschäftsleute und weniger im Rhythmus eines langsam aufblühenden Tourismusorts, so Odermatt. «Da muss die Stadt sicher noch ihre Hausaufgaben machen und neue Strukturen bereitstellen.»

Da kommt einem sofort die puppenstubenartig abgeschottete Zuger Altstadt in den Sinn. Der Pro-Zug-Präsident macht sich dafür stark, dass in das historische Herz der Stadt wieder mehr Leben einkehrt – in Zusammenarbeit mit Zug Tourismus. «Die Altstadt wird sicher wiederbelebt – etwa durch einen Christkindlimarkt. Zwei, drei Restaurants wären auch schön. Aber eben – viele der bestehenden Reglemente sind nicht besonders verkaufsfördernd und verhindern so manches neue Leben.»

Wolfgang Holz, Neue Zuger Zeitung
 
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