Wo will der Stadtrat mit der Altstadt hin?
  Zug Ein Gemeinderat stellt Fragen zur Belebung der historischen Gassen. Dabei werden die Sorgen der Bewohner deutlich.

Soll die Zuger Altstadt mehr belebt werden? Diese Frage wurde in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder diskutiert. Einerseits im Zusammenhang mit der Zukunft der Ankenwaage, andererseits aufgrund des neuen Altstadtreglements, das derzeit seitens der Stadt ausgearbeitet wird.

Bei Letzterem hat sich der Stadtrat zum Ziel gesetzt, den inneren Kern der Zuger Altstadt zu beleben. Denn mit der Revision des Altstadtreglements sollen in den Erdgeschossen der historischen Gebäude vermehrt publikumsattraktive Nutzungen wie Verkaufsgeschäfte, Kleingewerbe oder Gastronomiebetriebe ermöglicht werden. Zu diesem angestrebten Ziel hat nun der CVP-Gemeinderat Martin Eisenring selbst auch Altstadtbewohner – eine Interpellation eingereicht.

Was heisst «mässig störend»?
In seinem Papier will Eisenring unter anderem vom Stadtrat wissen, ob dieser für die Belebung eine langfristige Strategie erarbeitet hat und ob die Nachbarschaften der Ober- und Unteraltstadt in diese Erarbeitung mit einbezogen wurden. Im Fragenkatalog des CVP-Gemeinderats widerspiegeln sich zudem diverse Befürchtungen, die ein Teil der Altstadtbewohner hegt. Im Rahmen eines Podiums bekundeten einige von ihnen nämlich, dass man befürchte, die Wohnqualität mit dem neuen Altstadtreglement werde leiden. Dies einerseits, weil die Lärmschutzvorschriften im inneren Kern der Altstadt gelockert werden sollen und neu auch «mässig störende Betriebe» zulässig wären. Andererseits aufgrund der vermehrten publikumsattraktiven Nutzung in den Erdgeschossen.

Eisenring will daher wissen, was der Stadtrat unter «mässig störend» versteht. Und der CVP-Gemeinderat fragt weiter: «Wird eine Verminderung der Wohnqualität explizit in Kauf genommen, und wurden die Auswirkungen des revidierten Altstadtreglements auf die Wohn-bevölkerung geprüft?»

Sorge ums Gewerbe
Dass die Revision des Altstadtreglements gar weitere Kreise ziehen könnte, auch darüber ist der CVP-Mann offensichtlich besorgt. Denn er stellt auch die Frage, welche Folgen es für das Gewerbe in der Altstadt haben könnte, wenn die Wohnattraktivität abnimmt. «Wurden diese Auswirkungen geprüft? Und mit welchen Mitteln möchte der Stadtrat im Falle einer Abnahme der Wohnbevölkerung sicherstellen, dass die Gewerbebetriebe in der Altstadt verbleiben?» Man wolle einfach wissen, welche Strategie der Stadtrat verfolge. «Wo will der Stadtrat mit der Altstadt hin? Das fragen sich die Bewohner, und darauf wollen wir Antworten», sagt Eisenring.

Wollte ein Teehaus einziehen?
Und schliesslich wird er auch noch ganz konkret. Wie er von eigenen Quellen wisse, habe ein Teehaus vor wenigen Jahren bei der Stadt Zug angefragt, ob die Ankenwaage für den Betrieb eines Teeladens (Tea-Room) gemietet werden könnte. «Die Anfrage wurde abschlägig beantwortet, obwohl die Nutzung des Lokals als Tea-Room eine willkommene Belebung in die Altstadt gebracht hätte», sagt er. Gemäss Eisenring haben die Betreiber inzwischen einen Laden in Cham eröffnet.


Samantha Taylor, Neue Zuger Zeitung
 
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